Tagungsbericht – Fachtag der Regionalgruppe Saarland/Rheinland-Pfalz

Tagungsbericht – Fachtag der Regionalgruppe Saarland/Rheinland-Pfalz

„Gemeinsam Zukunft gestalten“

Die Regionalgruppe Saarland/Rheinland-Pfalz veranstaltete am 13.11.2025 in der Rheinhessen-Fachklinik Alzey ihren ersten eigenen Fachtag unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“.

Im Fokus standen jene Entwicklungen, die die klinische Praxis in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden: Akademisierung in der psychiatrischen Pflege, Zusammenarbeit zwischen Bachelor- und Fachpflege, Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Aspekte der Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz, Versorgungsansätze wie die Zuhause-Behandlung sowie Themen von Migration und Integration. Die Vorträge zeigten die inhaltliche Breite und Dynamik des Fachgebiets ebenso wie die Bedeutung evidenzbasierter Weiterentwicklung.

Ein besonders wertvoller Bestandteil des Fachtags war die Einbindung einer trialogischen Perspektive. Angehörige und Genesungsbegleiter brachten ihre persönlichen Erfahrungen ein – ein Beitrag, der von den Teilnehmenden als besonders bereichernd wahrgenommen wurde. Ihr Erfahrungswissen erwies sich als essenzieller Baustein wirksamer psychiatrischer Behandlung. Es unterstützt nicht nur das Verständnis für individuelle Lebensrealitäten, sondern fördert auch die Selbstreflexion pflegerischen Handelns.

Ganz im Sinne des Mottos „Kenne ich eine, kenne ich eine“ wurde deutlich, dass die Individualität eines Menschen weit über diagnostische Zuschreibungen hinausgeht. In der klinischen Praxis neigen wir dazu, bestimmten Diagnosen typische Verhaltensweisen oder Bedürfnisse zuzuordnen; ebenso werden in der Wissenschaft Behandlungsmaßnahmen häufig kategorisiert und standardisiert. Doch der Fachtag zeigte eindrucksvoll, dass eine Diagnose niemals eine homogene Gruppe beschreibt – lediglich Orientierung bietet.

Was einer Person hilft, kann bei einer anderen – trotz gleicher Diagnose – völlig anders wirken oder sogar kontraproduktiv sein. Erst wenn Fachwissen und Erfahrungswissen zusammengeführt werden, entsteht ein differenziertes Verständnis dafür, wie einzigartig jede Person ist und welche Interventionen in ihrem individuellen Lebenskontext tatsächlich wirksam werden können.

Eine weitere zentrale Erkenntnis des Fachtags war zudem die Bedeutung einer kooperativen Haltung innerhalb der eigenen Berufsgruppe. Unabhängig von der jeweiligen Qualifikation – ob dreijährig examinierte Pflegefachperson, Fachpflege, Bachelor- oder Masterabschluss – wurde klar herausgearbeitet, wie wichtig es ist, Synergien zu nutzen, gemeinsam zu handeln und künstliche Grenzen abzubauen, die einer produktiven Zusammenarbeit im Weg stehen. Das Ziel ist und bleibt stets die Optimierung der Versorgung und eine bestmögliche Behandlung der Patient:innen.

Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus, dass alle Beiträge von Mitgliedern der Regionalgruppe und ihren Einrichtungen gestaltet wurden. Dies zeigt eindrucksvoll das Engagement, die fachliche Expertise und die gemeinsame Vision, psychiatrische Pflege aktiv weiterzuentwickeln.

Der Fachtag setzte damit ein starkes Signal für eine Zukunft, in der multiprofessioneller Austausch, trialogische Beteiligung und kollegiales Zusammenwirken die Grundlage erfolgreicher psychiatrischer Versorgung bilden.

Prof. Dr. Victoria-Fabiola Ullmer