Mit Introvertierten in eine neue Welt

Psychologin Laney schaut sich Phänomen der Intoversion näher an

Von Christoph Müller

In den Augen mancher Menschen sind sie Sonderlinge. Sie haben einen starken Drang zum Alleinsein und reagieren sensibel auf Reize in der unmittelbaren Umgebung. Sie sind einfach anders als die scheinbare Mehrheit der Menschen in der Gegenwart. Die Psychologin Marti Olsen Laney wagt einen Blick auf das Phänomen der Introversion. Sie kann dem Ganzen viel Positives abgewinnen. Vor allem kann sie die Introversion als Daseinsform vorstellen.

„Es wird Zeit, dass Introvertierte erkennen, welch einzigartige und besondere Menschen sie sind. Wir sind reif für einen kulturellen Wandel, hin zu mehr Akzeptanz von Introversion“, wünscht sich Laney. Deshalb geht es ihr vor allem darum, die Stärken der Introvertiertheit besser zu verstehen. Sie schreibt davon, dass Menschen mit einer introvertierten Persönlichkeit „das Leben passend gestalten“ sollten (S.213). Sie ermuntert zu einem individuellen Rhythmus, eigenen Prioritäen und persönlichen Grenzen.

Irgendwie erstaunt bei der Lektüre des Laney-Buchs, dass die zeitgenössische Gesellschaft alltägliche Phänomene wie Introvertiertheit und Extrovertiertheit mit Prädikaten wie gut und schlecht unterscheidet. Man gewinnt den Eindruck, dass die Akzeptanz eines Menschen lediglich von sozialen Anpassungsbereitschaften eines Einzelnen abhängt. Dass es Menschen gibt, die sich schwer tun mit dem Small-Talk auf der Party oder mit den Reizen einer feiernden Gesellschaft, erscheint vielen Menschen mehr als fremd.

Den introvertierten Menschen gegenüber will Laney die Stärken und die Ressourcen unterstreichen. Dies erscheint nötig, haben es introvertierte Menschen in Kindheit und Jugend schwer gehabt, weil ihnen oft wenig Empathie entgegengebracht worden ist. „Geben Sie sich Raum und Zeit“, ermuntert Laney. Laneys Buch ordnet sich ein in eine Reihe von Veröffentlichungen zum Phänomen der Introversion und der Hochsensibilität. Was in langen Jahren als Krankheit beschrieben worden ist, wird endlich als Phänomen des Alltäglichen entdeckt. Dies ist für Menschen in helfenden Berufen ein Hinweis, sich vom pathologischen Blick auf die Dinge zu verabschieden.

Die Fähigkeit, Einsamkeit zu leben, ist als Gewinn für das Leben zu sehen. Menschen schaffen es, aus dem Alleinsein heraus Energie zu schöpfen und die Selbstreflexion zu stärken – dies ist eine zentrale Fähigkeit Laneys. Sie entdeckt auch die Achtsamkeit der Menschen, die in der Einsamkeit eingeübt werden kann.

Laney will die introvertierten Menschen ermutigen, ihr Licht auf die Welt scheinen zu lassen. „Spielen Sie mit den Möglichkeiten, die das Leben bietet“, schreibt sie. Spielerisch bedeute, „sich einen Raum zu geben, in dem alles möglich ist … Verspieltheit ist ein Bindemittel, sie hält Menschen zusammen und löst Spannungen. Sie macht das Denken frei, indem sie neue Verknüpfungen zwischen verschiedenen Ideen entstehen lässt. Verspieltheit lüftet das Gehirn.“ (S.275)

Mit den Introvertierten entführt Laney in eine neue Welt.

Marti Olsen Laney:
"Die Macht der Introvertierten – Der andere Weg zu Glück und Erfolg"
Hogrefe Verlag, Bern 2016, ISBN 978-3-456-85602-2, 302 Seiten, 24,95 €

 

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