Angehörigen Mut machen

Von Michael Mayer

Aggression und Gewalt von psychisch erkrankten Menschen ist kein Tabuthema mehr. Für Ärzte und Pflegende in psychiatrischen Kliniken gehören Deeskalationsschulungen oft zu den Pflichtfortbildungen. Aber wer denkt an die Angehörigen, die in ihrem privaten Umfeld mit Konflikten und Aggression konfrontiert sind?

Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) hat nun eine Broschüre mit Empfehlungen zum Umgang mit Konflikten und Aggression in Familien herausgegeben. Die übersehene Not der Angehörigen
Mit dieser Broschüre möchte der BApK auf das Problem häuslicher Gewalt aufmerksam machen. Sie ist zwar selten, aber sie kommt vor. In einer BApK-Umfrage von 2014 schrieben Eltern:

„Wir Eltern sind laufend aggressivem Verhalten unseres Sohnes ausgesetzt, meist nur ‚verbal,‘ aber es gehen alle paar Monate auch Dinge zu Bruch: Teller, Tassen, ein Stuhl. […] Keine Woche vergeht ohne kleineren oder größeren Vorfall. Persönliche und amtliche Briefe wurden zerrissen. Harmlose Gespräche werden laut und enden in üblen Vorwürfen.“

Die wörtlichen Zitate geben den Angehörigen eine Stimme. Fallbeispiele beschreiben Situationen, die manche Leser so oder so ähnlich auch aus eigener Erfahrung kennen. Sie signalisieren: Du bist nicht allein, andere kennen das auch.

In der Broschüre kommen aber nicht nur die Angehörigen selbst zu Wort. Sie beschreibt auch, was aus Sicht von Psychiatrieerfahrenen helfen kann, um Situationen zu entspannen. 
Praktische Tipps für Angehörige
Angehörige finden in der Broschüre eine Reihe von Empfehlungen und praktische Tipps für kritische Situationen. Leider gibt es für sie bisher kaum Schulungen für das Verhalten in Konfliktsituationen. Auch die Broschüre nennt nur ein Unternehmen, das Schulungen für professionelle Mitarbeiter anbietet. Warum nur einer der vielen Anbieter in Deutschland herausgegriffen wird, bleibt unverständlich.

Insgesamt leistet die Broschüre Wichtiges. Sie enttabuisiert das Thema und macht Angehörigen Mut. Und wir Profis werden daran erinnert, dass wir die Situation der Angehörigen nicht übersehen dürfen. „Wie geht es Ihnen? Wie waren die letzten Wochen für Sie?“ Das sind Fragen, die Angehörige oder Freunde von psychisch erkrankten Menschen vielleicht zu selten hören.

Die Broschüre sensibilisiert für eine oft übersehene Not. Sie ist daher für alle zu empfehlen, die in der psychiatrischen Pflege arbeiten.


Die Broschüre „Was tun – bei Konflikten und Aggressionen in der Familie mit einem psychisch erkrankten Angehörigen?“
kann beim Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. bezogen werden.
Im Internet unter: http://www.psychiatrie.de/bapk/

 

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